Ein
erklärender
Animationsfilm
zur
Ausstellung
Fallstudie

Im Laufe des ersten Halbjahres 2021 trat die Kultur und Marketing GmbH Köthen mit dem Auftrag an NXDRF.DE heran, einen erklärenden Animationsfilm zur Sonderausstellung „1821 – Hahnemann in Köthen” zu entwickeln und zu realisieren. Mir gefiel die Idee, bestand doch die Herausforderung auch darin, die Biographie des ersten Homöopathen von den aktuellen Streitigkeiten zwischen Schulmedizin und Alternativmedizin fernzuhalten. Hahnemann und Homöopathie sorgen auch fast 200 Jahre nach Hahnemanns Tod immer noch für heftige Auseinandersetzungen. Um das Drehbuch zu schreiben, mussten viele Fakten über Hahnemann und Homöopathie zusammengetragen werden. Das war der Beginn einer umfangreichen Recherchearbeit, Ich sah in der Aufgabenstellung daher vor allem die Notwendigkeit, aus Hahnemanns Biographie den Weg hin zu seiner Theorie und Praxis der Homöopathie nachzuerzählen.

Standbild aus dem Film „1821 – Hahnemann in Köthen”. Auch knapp 200 Jahre nach Hahnemanns Tod ist die von ihm wesentlich vorangetriebene Homöopathie heftig umstritten. Die Aufgabe bestand also darin, die Biographie des Arztes, Autors und Übersetzers informativ, verständlich und auch unterhaltsam aufzubereiten, sich dabei aber auf keine der widerstreitenden Seiten – Schulmedizin oder Homöopathie – zu schlagen. ©NXDRF.DE

Lebenswege

Gar nicht so einfach! Schließlich zeichnet sich Hahnemanns Weg durch eine gelebte (kreative?) Unruhe und vor allem durch zahlreiche Umzüge aus. Der in Meißen Geborene beginnt als Zwanzigjähriger ein Studium in Leipzig, wandert von dort über Wien und Hermannstadt, schließlich nach Erlangen, dann nach Mitteldeutschland und, und, und. Seine Interessengebiete sind meist Naturwissenschaften und Medizin. Hier wirkt er als Übersetzer und Autor. Er praktiziert auch als Arzt. Noch immer (zu) wenig beachtet wird in der Betrachtung seiner Biographie, dass Hahnemann gewissermaßen im Alleingang als Arzt in Deutschland eine psychotherapeutische Methode anwendete, als um ihn herum psychisch kranke Menschen nur verwahrt wurden.

Hahnemann plädiert für Zuhören und Fürsorge. Bei seinem ersten (und vorerst einzigen) Patienten Friedrich August Klockenbring hat er in Gotha damit Erfolg. Ein späterer Versuch, in Hamburg ebenso erfolgreich einen psychisch kranken Patienten, den Schriftsteller Johann Karl Wezel, zu heilen, scheitert grandios. Hahnemann und Homöopathie: dieses Kapitel beginnt wesentlich in Königslutter. Einen wichtigen Impuls dazu steuert die Übersetzung eines Werks von William Cullen ein. Und ein Selbstversuch mit Chinarinde.

Wie übersetzt man ein auf den ersten Blick unstetes, ja irrlichterndes Leben in einen Film im Stil der Cut-out-Animation? Die entscheidende Idee ist zweifelsohne die Einbeziehung eines „Investigation Boards”. So nutzt man ein heute oft in Kriminal- und Detektivfilmen eingesetztes gestalterisches Mittel und schafft sich die Möglichkeit schnell zwischen Orten, Themen und sogar Zeiten zu wechseln. Ein Investigation Board taugt auch beim Thema Hahnemann und Homöopathie.
Wie übersetzt man ein auf den ersten Blick unstetes, ja irrlichterndes Leben in einen Film im Stil der Cut-out-Animation? Die entscheidende Idee ist zweifelsohne die Einbeziehung eines „Investigation Boards”. So nutzt man ein heute oft in Kriminal- und Detektivfilmen eingesetztes gestalterisches Mittel und schafft sich die Möglichkeit schnell zwischen Orten, Themen und sogar Zeiten zu wechseln. Ein Investigation Board taugt auch beim Thema Hahnemann und Homöopathie. © NXDRF.DE Screenshot

Hahnemann und Homöopathie

Durch Corona und die daraus folgenden Einschränkungen waren Realfilmpassagen oder ganz und gar gefilmte Interviews quasi unmöglich geworden. Um so mehr schätze ich, dass ein wichtiger Hahnemann-Experte und Autor einer Hahnemann-Biographie, Professor Dr. Robert Jütte, bis 2020 Leiter des Instituts für Geschichte der Medizin bei der Robert-Bosch-Stiftung in Stuttgart, einem aufgezeichneten Zoom-Interview zusagte, das den Film sehr bereichert.

Jüttes Hahnemann-Biographie war neben den Arbeiten etwa von Robert Haehl vom Anfang des 20. Jahrhunderts eine wichtige Richtschnur zur Darstellung von Hahnemann und Homöopathie. Gerade die Bewertung der Hahnemann umgebenden sozialen und wissenschaftlichen Situationen, die Zustandsbeschreibungen der akademischen Medizin im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert sowie die Charakterisierung Hahnemanns sind sehr wichtig, um diese Zeit und die Implementierung der Homöopathie in die Gesellschaft zu verstehen. Hahnemann war sich durchaus bewusst, dass er eine Reformbewegung anführt. Im Film gehen wir darauf ein, dass er sich während seiner Torgauer Zeit durchaus mit einem anderen Reformator identifizieren konnte: nämlich mit Martin Luther.

Hahnemann und Homöopathie: Das sind auch Grundstoffe. Diejenigen Substanzen, aus denen der Praktiker der Homöopathie seine Arzneien herstellte. Screenshot ©NXDRF.DE

Fakten und Formen

Ausstellungskonzepte von Museen kommen heutzutage kaum noch ohne digitale Präsentationsformen aus. Gerade historische Themen, über die in den Museumsarchiven möglicherweise zahlreiche Dokumente, bildliche Darstellungen und Objekte vorhanden sind, lassen sich durch Bewegtbildformate hervorragend ergänzen. Und hier bietet sich die Cut-out-Animation besonders an, weil sie – wie kaum eine andere Form – die Brücke zwischen dem historischen Stoff und zeitgenössischen Seherfahrungen schlagen kann. Der dezente Einsatz solcher „Brüche” in den Zeitebenen, ja möglicherweise die eine oder andere ironische Wendung sorgen für eine Steigerung des Publikumsinteresses. Das lässt sich oft an erheblich gestiegenen Zugriffszahlen ablesen. Durch die neuen Vertriebswege steigt gewöhnlich auch die Zahl der Zugriffe. Art und Zusammensetzung der Interessengruppen diversifizieren sich.

Hier der Link zum Film auf dem youtube-Kanal des Schlossmuseums Köthen.
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Fallstudie