Klick!
(Fast) alles ist möglich – und es ist auch noch schön!

Praktizierte Phantasie

Wir glauben an eine große Zukunft und an einen wachsenden Anteil von animierten Bewegtbildern, animierter Filme oder deren Mischformen aus Animation, Realfilm und Computeranimation vor allem im erklärenden und sachlichen Filmgenre. Kaum eine erfolgreiche Netflix-Dokumentation, die heute noch ohne Animation von Archivmaterialien, Motion Graphs etc. auskommt.
Software im Zusammenspiel mit gestalterischer Phantasie macht es möglich, jede Form von Bild digital zu beleben, zu beseelen. Es gibt kaum Grenzen, um Daten und Fakten bildlich ansprechend aufzubereiten, wissenschaftliche, technische, historische Zusammenhänge zu erklären, Produkte vorzustellen, eine Geschichte zu erzählen. Warum noch das ewigselbe PowerPoint benutzen, wenn eine animierte Grafik wirkungsvoller sein kann und ganz nebenbei noch viel besser aussieht? Wozu Re-enactment mit (oft schlechtem) Laienspiel aufwändig herstellen, wenn ein phantasievoller Umgang mit originalen Darstellungen viel besser die Geschichte erzählen kann? Gerade das weite Feld der Cut-out-Animationen, also der Animation von Ausschnitten von (historischen) Abbildungen ermöglicht schier unbegrenzte Realisierung bewegter und bewegender Bilder.

Animationen zeigen neue Blickwinkel

Anders als realer Film ist Animation aus sich selbst heraus eine andere Bildwelt. Hier gibt es kaum Grenzen. Betrachtungsweisen, Perspektivwechsel, Überschreitung räumlicher und zeitlicher Grenzen: all das wird in einer animierten Bildwelt viel leichter akzeptiert und verstanden. Deshalb erobern sich animierte Grafik und animierte Filme immer mehr Räume in der öffentlichen Wahrnehmung. Die Möglichkeiten sind nahezu unbegrenzt:

  • Animation macht Daten und Fakten unmittelbarer verständlich. Jeder Geschäftsbericht, jede Bilanz, jede technische Anleitung gewinnt durch die Animation von Daten
  • Animation macht Orientierung in der Zeit oder in der Geographie leichter. Es ist heute kein Problem mehr topographische Verortungen, geschichtliche Ereignisse auf ihren Zeitachsen bildlich darzustellen und den Zuschauern den Zugang zu komplexen Zusammenhängen fassbar zu machen.
  • Animation erklärt anschaulicher: ob Kunst oder Wissenschaft, ob Geschichte oder Technik

Angewandte Kreativität

Zwar hat sich sogar in der Unternehmenskommunikation die Animation als Mittel durchgesetzt. Aber viel zu oft wird nach unserer Meinung eine Ästhetik realisiert, die mehr den Werbezeichnungen der fünfziger Jahre ähnelt als den visuellen Anforderungen des 21. Jahrhunderts. Eine viel zu oft unbeantwortete Frage ist deshalb: Warum spricht man Erwachsene mit einer Bildsprache an, die schon kindliche Betrachter für viel zu infantil halten müssen?
NXDRF erzählt Geschichten, die gut geschrieben und phantasievoll umgesetzt sind. So wird aus dem Versprechen eine Geschichte zu erzählen, das, was man im klassischen Sinne unter Storytelling versteht, bevor dieser Begriff von denen okkupiert wurde, die den Kaiser nackt auf die Promenade schicken.

Das Wort Animation stammt aus dem Lateinischen. Gleich zwei wichtige Bedeutungszusammenhänge stecken darin. Da ist einmal das Substantiv „anima”, das „Seele”, aber auch „Lebenskraft” und „Atem” bedeutet. Das lateinische Verb dazu ist „animare”, das „etwas beleben”, ja sogar „etwas beseelen”(!) bedeutet. Treffender kann man Animationsfilme kaum beschreiben. Es geht dabei eben nicht nur darum, bewegte Bilder zu schaffen, sondern darum, die Zuschauer mit bewegten Bildern ihrerseits (emotional) zu bewegen. Viel zu lange ordnete man Animationen der Kinderabteilung des Filmgeschäfts zu. Walt Disney und seine Mickey Mouse, Bambi, Cinderella und so weiter hatten reichlich Zuckerguss über das Genre geschüttet. Filmisch unbelebte Dinge zu beleben war etwas für die seichte Unterhaltung. Zwar gab es in der Filmgeschichte immer wieder Ausflüge des Animationsfilm in ernste Sujet. Über Jahrzehnte wurden beispielsweise in Osteuropa sorgfältig hergestellte „Trickfilme” mit ernsten Stoffen realisiert. Dies jedoch konnte die Einordnung in die „Spielzeugabteilung” der Filmgeschichte nicht verhindern.

Fast alles ist möglich – und es sieht sogar gut aus

Lange Zeit war die Herstellung eines Animationsfilms sehr aufwändig. Jede Sekunde Bewegung musste in (meistens) 24 Einzelbilder zerlegt, geplant, gezeichnet, fotografiert und zusammengefügt werden. Dafür waren Studios nötig, mit komplizierten Konstruktionen für (Spezial)Kameras und Beleuchtung. Eine große Menge von Menschen arbeitete für Zeichentrick, Puppentrick oder Stop-Motion-Animation mit Plastilin. Inzwischen kann digitale Technik viel Manpower und technische Hardware ersetzen. Softwareprogramme wie Blender, Cinema 4 D, Adobe Animator und allen voran After Effects erlauben unbegrenzte Realisierung von Phantasien, um Dinge zu erklären, Geschichten zu erzählen, Dinge und Menschen zu bewegen. Der Animationsfilm ist durch Computertechnologien erwachsener geworden. Mischformen mit Realfilmen tun ihr Übriges, um die Grenzen zwischen den Formen zu verwischen. Erst unlängst wurde das ehrwürdige Leipziger Dokumentarfilmfestival mit einem ausschließlich animierten, 28-minütigen Dokumentarfilm über das einstige Leipziger Luxushotel „Astoria” eröffnet. Überhaupt finden sich bei diesem wie auch bei anderen Festivals immer mehr Animationsfilme im Programm. Das Genre Dokumentation und die formelle Umsetzung als Animation gehören immer mehr zusammen.

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