Oppenheim
Objekte
Ein digitales musée sentimental
Ein multimediales Projekt | ©NXDRF

„OppenheimObjekte” ist ein digitales musée sentimental. Ein Projekt, das zuerst von der schönen, alten Stadt Oppenheim am Rhein und ihrer Geschichte inspiriert, von den Ereignissen des Reichstags zu Worms 1521 sowie den diesen begleitenden Anekdoten vorangetrieben wurde. Den endgültigen Impuls zur Entwicklung und Realisierung dieses Projektes gab eine Förderung der Stiftung Rheinland-Pfalz für Kultur.

Ganz im Sinne des von Daniel Spoerri entwickelten Konzepts des musée sentimental, werden hier einzelne Objekte zusammengetragen, um ihre Geschichten zu erzählen. Die Dinge werden mit Assoziationen „aufgeladen” und so setzen sich Schritt für Schritt, Objekt für Objekt Geschichte und Geschichten einer Stadt und ihrer Region zusammen, so werden die Schicksale Einzelner mit dem Strom der großen Geschichte verwoben. Wichtig ist, dass die Geschichten in Bilder übertragen werden und dass Kontexte erkennbar werden.

OppenheimObjekte – Die Zeitleiste Teil 1 „Von den Anfängen bis zum Pfingstdienstag 1689”

Niemand weiß genau zu sagen, wann Oppenheim seinen allerersten Anfang hatte. Als besiedelte Landschaft wird der Ort zu Zeiten der Römer als linksrheinische Militärstation greifbar. Seit fast 2000 Jahren geschieht hier erlebbare Geschichte. @NXDRF 2021

Die alte Reichsstadt Oppenheim hat eine lange Geschichte, die bis weit in die Zeiten des Römischen Reichs zurückreicht. Greifbar wird der Ort schließlich erstmals in einer Urkunde aus dem Jahr 765. Der erste Teil der animierten Zeitleiste greift einige historische Momente aus der langen Geschichte Opppenheims heraus und erzählt diese in kurzen Szenen: die Schenkung Folrads an das Kloster Lorsch, den Auftritt Königs Heinrich IV. vor der Fürstenversammlung in der Pfalz Trebur seinen Aufbruch nach Canossa im Winter 1076/77, Luthers zwei Aufenthalte in Oppenheim im Frühjahr 1521, den „Churfürstlich Hochzeitlichen Heimführungs Triumph” Friedrichs v. und seiner Braut Elisabeth Stuart sowie die Verheerungen, die Oppenheim im 17. Jahrhundert erleiden musste. Die Animationen gehen einen neuen Weg des Storytelling, indem mittels digitaler Bildbearbeitungstechniken historisches Quellenmaterial in neue visuelle Kontexte gebettet und auf diese Weise oft verständlicher wird.

Objekt 1 | Prolog: Der Reichstag zu Worms

Bewegtbildmontage aus Sebastian Münsters Vorlage „Cosmographia”, Druck der Stadtansicht von Worms 1550
Der Reichstag zu Worms im Jahre 1521 war ein Ereignis von weltgeschichtlicher Bedeutung. Ausschnitt aus einer Animationsszene auf der Basis einer Stadtdarstellung aus Sebastian Münsters „Cosmographia”. ©NXDRF.DE

Objekt 2 | Die „Kanne” in Oppenheim: Luthers letzte Nacht vor Worms

Im Oppenheimer Gasthaus „Zur Kanne” – so erzählt man sich – habe Luther seine Angst vor seinem Auftritt vor Kaiser und Reichsständen besiegt, indem er die Hymne der protestantischen Christenheit „Ein feste Burg ist unser Gott” ersann. Szenenfoto aus „Luthers letzte Nacht vor Worms” ©NXDRF.DE

Anlass, um das Projekt „OppenheimObjekte” zu starten, ist unter anderem die Erinnerung an den Reichstag zu Worms im Jahre 1521. Dieses historisch überaus bedeutende Ereignis, die Region, in der es sich abspielte, sowie die Kontexte von Zeit, historischer Handlung und deren Wirkung in die Geschichte Europas hinein medial zugänglich zu machen, ist das Ziel von „OppenheimObjekte”. Die Erinnerung an diesen Reichstag wird in der Rückschau oft auf die fraglos bedeutende Anwesenheit Martin Luthers (an drei Tagen im April 1521) reduziert.

Doch tatsächlich war Luthers Auftritt weder von Anfang an geplant noch sollte er als einziges Ereignis historische Nachwirkungen haben. Jedoch, wie sich herausstellen sollte: Dieser Reichstag vor 500 Jahren entpuppte sich als ein entscheidender Wendepunkt in der Geschichte der Reformation in Deutschland, in Europa und schließlich in der Weltgeschichte.

Oppenheim liegt – gemessen in der Reisegeschwindigkeit des Mittelalters! – etwa eine halbe Tagesreise rheinabwärts von Worms entfernt. Das ist nicht nur geografisch eine hübsche Distanz, um einen Blick auf die Ereignisse um Kaiser, Reichsstände, den päpstlichen Gesandten Aleander (nein, das ist kein Tippfehler!), seinen Gegner Martin Luther und auch auf das oft wenig beachtete Alltagsleben in der nahen Bischofsstadt zu werfen.

OppenheimObjekte: Stadtansicht von Oppenheim, Matthäus Merian
Dieser Stich von Matthäus Merian ist ein hervorragendes Anschauungsobjekt, um sich von der Stadt Oppenheim ein Bild zu machen. Die unterschiedlichen Versionen, die Merian anfertigte, lassen sogar genauere Schlüsse über die städtische Entwicklung Oppenheims zu. Selbstverständlich widmet sich das digitale musée sentimental „OppenheimObjekte” dieser Darstellung und setzt sie mit den Gestaltungsmitteln unserer Zeit gebührend in Szene. Quelle: Wikipedia, gemeinfrei.


Oppenheim als alte Reichsstadt auf halber Strecke zwischen den beiden Domstädten Mainz und Worms gelegen hat selbst ausreichend historisches Gewicht, um als Ausgangspunkt historischer Betrachtungen zu taugen, so wird damit unterstrichen, dass es bei der Betrachtung von Geschichte immer auch um Kontexte geht: zeitliche, konfessionelle, mentalitätsgeschichtliche, aber auch regionale, individuell-persönliche Kontexte. Deshalb wählen wir – nur auf den ersten Blick – willkürlich den Zeitpunkt des weltgeschichtlich höchst relevanten Reichstags in Worms im Jahre 1521 als ersten Fixpunkt auf unserer Zeitachse. Als einen festen Punkt von dem wir uns auf der Linie vor und zurück durch die Zeiten bewegen und dabei erstaunliche Entdeckungen machen. Alle zusammengetragen in den OppenheimObjekten.

Dieses digitale musée sentimental „OppenheimObjekte„ greift die Aufmerksamkeit für den Reichstag zu Worms auf und entwickelt anhand von Objekten und deren Geschichten einen Blick auf die Geschichte eines Ortes, dessen Existenz urkundlich schon für das 8. Jahrhundert belegt ist, der in bedeutende historische Ereignisse eingebunden war, der erstaunliche Innovationen, bemerkenswerte Menschen und nicht zuletzt beachtliche Weine hervorgebracht hat. Sicher werden wir deshalb im Laufe des Jahres die eine oder andere Geschichte aus der Geschichte erzählen. Zu den geplanten Sujets gehören:

  • Die Eröffnung des Reichstages am 27. Januar 1521 und seine Vorgeschichte. (Das Projekt startet deshalb auch am 27. Januar 2021 offiziell.)
  • Der Verlauf des Reichstages aus der Perspektive des päpstlichen Gesandten Hieronymus Aleander
  • Die Einbestellung Martin Luthers zum Reichstag, seine Reise nach Worms, seine letzte Nacht (voller durchaus begründeter Angst um sein Leben) vor seinem Auftreten auf dem Reichstag und die damit verbundene Legende über die Entstehung des Kirchenlieds „Ein‘ feste Burg ist unser Gott”
  • Des weiteren wird die über der Stadt thronende Burg Landskron sicher ein Thema sein. Wir schauen uns an, wie Heinrich des Vierten Gang nach Canossa streng genommen schon im Oktober 1076 in Oppenheim begann, wir schauen uns den Weinbau der Region an, werden entdecken, dass wohl weltweit die erste pharmazeutische Industrie in Oppenheim begann, wir werden bemerkenswerten Künstlern und Unternehmern begegnen. Etwa der ihrer Zeit vorauseilende Komponistin Johanna Senfter.
  • Das digitale musée sentimental „OppenheimObjekte” wird Perspektiven auf die Geschichte der Stadt Oppenheim und ihrer Region öffnen.

Und schließlich soll das digitale musée sentimental „OppenheimObjekte” beispielhaft zeigen, wie NXDRF und das Bureau für Begeisterung neue Wege bei der medialen Vermittlung von Geschichte unter kreativer Einbindung von Archivmaterialien, Urkunden, Karten, Dokumenten sowie modernsten digitalen Animations- und Filmtechniken, sorgfältiger Musikauswahl und Vertonung gehen. Unsere Arbeiten zeichnen sich durch ein profundes Verständnis von Geschichte, sicheren Umgang mit Dramaturgie und einen kreativen gestalterischen Zugang zu den Sujets aus, der die zu vermittelnden Inhalten immer auch stilsicher durch die Gestaltungselemente trägt. Wir sind offen für Zusammenarbeiten mit Museen und Archiven, um neue Wege bei der Digitalisierung von Museen zu gehen, indem wir den viel bemühten Begriff des Storytelling auf seinen Kern zurückführen: nämlich ganz einfach Geschichten zu erzählen.

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