Aus
der
Krise
zu
neuen
Lösungen
Fallstudie: Corona und neue Medienformen
Professionelles Live-Streaming der VDP Nahe-Auktion im Studio von Media4Rent | Foto: Frank Schönleber

Lösungen

Seit über 100 Jahren versteigern Regionalverbände des VDP (Verband Deutscher Prädikatsweingüter) ihre Weine in so genannten „nassen Versteigerungen”. Das heißt: viele Weininteressierte, Händler, Sammler, Gastronomen, Weinliebhaber, Zaungäste, versammeln sich an einem Ort, probieren die zur Auktion gebotenen Weine und liefern sich dann mehr oder weniger heftige Bietergefechte um die rationiert angebotenen Weine. Unter dem Einfluss von Corona und den daraus notwendig gewordenen Einschränkungen sollte das im Jahr 2020 anders sein. Viele Menschen, eng beieinander an einem Ort? Das war in diesem Jahr nicht möglich. Neue Wege mussten beschritten werden, um die Tradition nicht zu brechen.

Ausgerechnet einer der kleinsten Regionalverbände des VDP, nämlich der VDP Nahe mit nur neun Mitgliedsbetrieben, wagte den Schritt ins Neue, ins Unbekannte – und er sollte dafür belohnt werden. Die Optionen waren – streng genommen – übersichtlich: 1. die Auktion im Jahr 2020 absagen. Das war nicht ernsthaft eine Option, jedoch eine mögliche Variante. 2. eine stark reduzierte Auswahl an Publikum in einen möglichst großen Raum unter Berücksichtigung der Abstandsregeln versammeln und die Auktion zwar unter überwiegendem Ausschluss der Öffentlichkeit, aber mehr oder weniger „handgebastelt” über youtube live zu streamen. Eine Lösung, die die Verkaufsinteressen der Anbieter berücksichtigt, den Erlebnischarakter für die Kunden jedoch weitgehend unbeachtet lässt. Oder: 3. ein sinnvolles alternatives Konzept zu entwickeln, in dem das fraglos berechtigte Verkaufsinteresse der bietenden Betriebe mit einem Informations- und Unterhaltungsinteresse (potenzieller) Kunden ebenso seine Existenzberechtigung hat. Gemeinsam mit dem VDP Nahe und seinen Partnern aus Rheinhessen, der Pfalz und von der Ahr und mit der großartigen technischen Unterstützung durch Media4Rent entwickelte NXDRF ein völlig neues Format für die traditionelle Auktion. Ein Weg in eine informationelle und technische Zukunft, die den Einfluss von Corona nicht mehr fürchten muss.


Work in Progress

Niemand dachte am Anfang der Planung, dass das Ergebnis am 20. September sich kaum von einer TV-Sendung unterscheiden würde. Niemand ahnte, dass eine solche Lösung sogar in Bezug auf auf Anzahl der Gäste und (wichtiger noch!) den Umsatz der Veranstaltung erfolgreicher sein könnte als die gewohnte „nasse Versteigerung” in der Bad Kreuznacher Römerhalle. Mit jeder Überlegung über die richtige Realisierung wurde das Planungsteam mutiger. Mit jedem mutigen Schritt wurde das angestrebte Ziel konkreter, aber auch größer. Und noch mehr Mut wurde nötig. Wir wollten keine halben Sachen. Wir wollten es richtig machen.
Noch im Juni gingen alle davon aus, dass ein paar versandte Probierpakete, eine Vorverkostung für Fachpublikum und kurze Porträtfilme über die Betriebe der Bieter, deren Regionen und Weinphilosophien reichen würden, um die Kunden für das Projekt zu interessieren. Das Team orientierte sich zunächst an den seit März 2020 geradezu ins Kraut schießenden Live-Streamings von Weinverkostungen, Zoom-Konferenzen, Videotelefonaten usw. Schritt für Schritt stellte sich heraus, dass die sinnvollere Lösung eine konzentriert professionelle Lösung sein musste.

Mitschnitt der Livesendung der Auktion vom 20. September 2020 aus dem Studio von Media4Rent in Bingen.

Technisch war dieses Konzept nur mit einer soliden Studio-Infrastruktur abzusichern. Als das allen Beteiligten klar geworden war, konnte die Planung der Auktion als eine klassische TV-Unterhaltungssendung angelegt werden: mit Einspielern, Interviews, mit großartigen Moderatoren und Studiopublikum – alles unter Berücksichtigung der Regeln, die Corona uns allen aufzwingt.

Das Ergebnis

Was am 20. September 2020 aus dem Bingener Studio von Media4Rent in die Welt gesendet wurde, konnte sich sehen lassen. Moderiert von Caro Maurer (Master of Wine) und auktioniert vom Ehrenpräsidenten des VDP, Prinz Michael zu Salm-Salm, entstand unter der Regie von NXDRF eine ebenso unterhaltsame wie informative, vor allem aber effiziente, weltweit wahrgenommene Auktion, die in Bezug auf den Umsatz die Vorjahresergebnisse übertraf. Auch die Anzahl der Zuschauer war größer und internationaler als bei den traditionellen „nassen Auktionen”. In der Summe sahen 1.800 an diesem sehr speziellen Thema interessierte Besucher diese Auktion live. Das sind deutlich mehr als in die Römerhalle passen. Sicher kostet eine solche Aktion mehr als eine durch Einnahmen von Eintrittsgeldern . Aber gemessen am Ergebnis sind die Mehrkosten durchaus im Rahmen geblieben. Neue Wege zu gehen, neue Medien für traditionelle Inhalte zu erschließen: das sind Investitionen in die Zukunft.

Ergänzung

Die von NXDRF für das Projekt „VDP Nahe Auktion 2020” produzierten Porträtminiaturen einzelner teilnehmender Betriebe sind auf youtube zu finden. Die Aufgabe war, kurze, prägnante Vorstellungen der Weingüter, ohne formal schematisch und einheitlich zu sein. Entstanden sind (nach dem Vorbild der 90-Sekünder in den Nachrichtensendungen) diese Filme:

Weingut Battenfeld-Spanier, Hohensülzen, Rheinhessen
Weingut Dr. Crusius, Traisen, Nahe
Weingut F.K. Groebe, Westhofen, Rheinhessen
Gut Hermannsberg, Nahe
Schlossgut Diel, Burg Layen, Nahe
Weingut Dönnhoff, Oberhausen, Nahe (unter Verwendung saisonaler Luftbilder beigestellt vom Weingut Dönnhoff).
Weingut Emrich-Schönleber, Monzingen, Nahe
Weingut Keller, Flörsheim-Dalsheim, Rheinhessen
Weingut Kruger-Rumpf, Münster-Sarmsheim, Nahe
Weingut Schätzel, Nierstein, Rheinhessen
Weingut Wagner-Stempel, Siefersheim, Rheinhessen
Weingut Wittmann, Westhofen, Rheinhessen
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