Szenenbild aus einem Film über den Inspirationsort zu Bildern und Motiven der „Zauberflöte” nach einem Essay von Dr. Maria Petz-Grabenbauer

Digitale Szenografie III: Zauberflöte

Staunen als Gebrauchsanleitung

Eine zufällige Begegnung im Lesesaal einer Bibliothek veränderte meinen Blick auf die Welt. Kommt vor! Auf meinem Platz lag (ich könnte schwören: von mir nicht bestellt!) ein Exemplar der Originalausgabe des „Hortus Botanicus Vindobonensis” der Kaiserin Maria Theresia. Seither beschäftigt mich das Thema Garten mit dem Schwerpunkt des Botanischen Gartens. Hier ist nicht der Ort, mich darüber in aller Tiefe zu verlieren. Nur so viel: bei dieser ersten Begegnung damals fotografierte ich die wunderschönen botanischen Illustrationen in dem Buch. Gedruckt zwar, aber handkoloriert. Die gesamte Zeit, in der ich mich mit computergenerierter Bildgebung beschäftige, begleitet mich das Thema Garten und besonders begleiten mich die Schnitte von Artischocke, die Anatomie der Anemonen, die roten und die gelben Blümchen aus diesem wunderschönen mehrbändigen Werk. Wieder und wieder setzte ich meine sich allmählich mehr ausgeprägten Fähigkeiten beim Herstellen 3D-animierter Filme und dramaturgisch feiner ausgearbeiteten Ideen ein und bastelte Filme. Und weil ich immer aufmerksam werde, wenn mir etwas Kluges über Botanische Gärten oder die Kulturgeschichte der Gärten über den Weg läuft, wurde meine Aufmerksamkeit auf einen Essay der Wiener Wissenschaftlerin Dr. Maria Petz-Grabenbauer gerichtet. Ein Fachartikel, der einen besonderen Aspekt eines auf meiner inneren mind map liebsten Ortes, eben des Wiener Botanischen Gartens, lenkte. Petz-Grabenbauer beschrieb, wie die Gesellschaften, die der Direktor des Botanischen Gartens Nikolaus-Joseph von Jacquin, allwöchentlich im Direktorenhaus des Gartens für Weltreisende, Naturforscher und sonstige interessante Gesprächspartner gab, wie diese Gesellschaften also den Theaterdirektor und Textdichter der „Zauberflöte” Emanuel Schikaneder und den genialen Komponisten Wolfgang Amadeus Mozart zu Bildern und Motiven dieser Oper, an der sie gerade arbeiteten, inspirierte.
Ich übersetzte die Kernthesen der Wissenschaftlerin in ein bildreiches poetisches Erklärstück, das betont die zweidimensionalität der Theaterwelten aufgreift und innerhalb einer 3D-Animation realisiert. Dass damit ein für einen Film, der völlig ohne Werbung, ohne Weblinks, ohne den geringsten Hinweis in kurzer Zeit ein in deutscher und englischer Sprachfassung etwa 5.000 Mal gesehener Kurzfilm wurde, überrascht mich noch heute. Wie sagt man doch so schön: War nicht beabsichtigt, doch hat es sich ergeben.