„Schreiben Sie einen Text über Schubert …”
In einer Zeit, in der visuelle Reize die Aufmerksamkeit dominieren, bleibt das geschriebene Wort die radikalste Form der Inhaltsvermittlung. Warum? Weil der Text keinen Bildschirm, sondern den Kopf des Lesers als Projektionsfläche nutzt. Ihn dort abzuholen und durch eine Geschichte zu führen, ohne ihn zu verlieren, ist die höchste Schule der Dramaturgie.
Mein Weg durch die Redaktionen namhafter Publikationen – von den frühen Jahren im überregionalen Feuilleton der Süddeutschen Zeitung und des Rheinischen Merkur bis hin zu einer für mich prägenden, etwa drei Jahre dauernden Episode in der Stadtteilredaktion der Frankfurter Rundschau, wo ich eine Situation von thematischer Freiheit und Arbeit an Form und Ausprägung der Texte erleben (und daran lernen!) durfte – war vor allem eine Schule des Sehens.
Das Handwerk der Beobachtung Die Arbeit im Print zwang mich zur Präzision: Wenn kein Bild die Lücke füllt, muss das Wort sitzen. In Reportagen für Magazine wie brandeins oder Leitartikeln für McKWissen ging es darum, komplexe historische Rekonstruktionen oder technologische Umbrüche so zu erzählen, dass sie eine eigene, fast poetische Evidenz entfalten. Es ist die Kunst, dem Faktischen eine Form zu geben, die über das Tagesaktuelle hinausweist.
Der Kopf des Lesers als Partner Guter Journalismus bedeutet für mich, den Leser als intellektuelles Gegenüber ernst zu nehmen. Das erfordert:
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Hartnäckige Solidität: Nicht der Schnellste sein zu wollen, sondern derjenige, der die Gegenseite noch einmal hört und die Quellen doppelt prüft. Ich war mir dessen bewusst, dass mitunter das Niederringen des Reflexes, der Schnellste sein zu müssen, zugunsten der Gründlichkeit immer die richtige Wahl ist. So viel war klar: Für die Nachrichtenredaktion taugte ich nicht …
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Stilsicherheit: Ein Umgang mit Sprache, der bis in die entlegensten Winkel eines Themas leuchtet, ohne den Rhythmus und das Tempo der Erzählung zu opfern. Im Gegenteil! Je profaner das Thema, desto wirkungsvoller ist dieser schmale Schein von Poesie im Text genau der Ton, der den Leser fesselt. (Dann lernt man auch, die Reportage über den Tag der offenen Tür in einem Dackelzüchter-Verein vor den Toren Frankfurts nicht als lästige Pflicht, sondern als Herausforderung anzunehmen.)
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Ironische Distanz: Das Bewusstsein, dass auch die ernsthafteste Recherche eine menschliche Komponente braucht – jenen Funken von Beobachtungsgabe, der das Detail zum Leuchten bringt.
Diese „Schule des Schreibens“ ist das unhintergehbare Fundament meiner heutigen visuellen Arbeit. Ob ich eine 3D-Animation für ein Museum entwickle oder eine Dokumentation schneide: Im Hintergrund wirkt immer das journalistische Ethos des Wortes. Denn nur wer eine Geschichte auf einem leeren Blatt Papier zum Leben erwecken kann, beherrscht auch die komplexen Bilderwelten des 21. Jahrhunderts.
Case Studies
- Die Reportage: Der Beleg für die „liebevoll betrachtende”, lebendige Schilderung des Besonderen.
- Die historische Rekonstruktion (McKWissen): Der Beleg für die Fähigkeit, Wirtschaft und Technologiegeschichte narrativ zu durchdringen.
- Redaktion: Seitenwechsel auf Zeit
Die Reportage
Es war gewiss kein Nachteil, dass ich drei, vier Jahre beinahe ausschließlich im Biotop der Orchidee „Feuilleton” verbrachte, ein einerseits mit dem Label intellektueller Delikatesse markiertes, andererseits (oder auch deshalb) von den meisten Journalistenkollegen gemiedenes Gehege, in den Blättern gerne an den Rand gequetscht, nach Sportnachrichten, Börsenkursen und vor dem TV-Programm. Ein Ort in der Zeitung, der sich gegen die Macht der Texte auf den Aufschlagseiten behaupten musste, wollte und konnte, wenn man’s richtig anging. Aus diesem Gehege rufend erfolgreich Leser anzulocken, erforderte einige Fähigkeiten als Schreiber. Fähigkeiten, die sich im Genre der Reportage (zu der in meinen Augen das geschriebene Porträt unbedingt mitzählt) ganz gut nutzen lassen. (Vor allem dann, wenn man das Schreiben für’s Feuilleton nicht als das Gegenteil von journalistischer Arbeit auffasst!). Die Grenzüberschreitung vom rein Feuilletonistischen hin zur Reportage war fließend. Mein erster Termin für die Stadtteilredaktion der Frankfurter Rundschau war – ich erinnere mich gut, das muss im Jahr 2000 gewesen sein – die Besprechung eines Gitarren-Konzerts in einem Gemeindesaal in Bergen-Enkheim … Derart sprachlich gerüstet, ausgestattet mit dem Gespür, feinste Nuancen und kleinste Beobachtungen wahrzunehmen und in eine verständliche und fesselnde sprachliche Form zu kleiden, scheute ich die Reportage nicht … und beschrieb alsbald einen sonntäglichen Hahnenschrei-Wettbewerb im Geflügelzüchterverein von Niederrad. Gute Schule!
Die erste große Reportage: Für den Papierkorb geschrieben.
Eine Agentur schickte mich anfangs der 2000er in die Vogesen, in ein winziges Kaff namens Damblain mit knapp über 300 Einwohnern. Dort trafen sich auf einem aufgegebenen Militärflugplatz der französischen Luftwaffe 25.000 evangelikale Sinti und Roma (die sich selbst freilich als „Zigeuner” bezeichneten) zu einer Erweckungsveranstaltung im Geiste der Pfingstbewegung. Der überaus talentierte Fotograf Kai Bornhöft und ich verbrachten drei Tage unter diesen Menschen, die uns – ebenso interessiert wie auch befremdet – zunächst argwöhnisch beobachteten und schließlich herzlich aufnahmen. Das Zelt, in dem Bornhöft campierte, war das Highlight vor allem für die Kinder und Jugendlichen. Sie, die in einer Welt der mehr oder weniger großen, mehr oder weniger luxuriösen Wohnwagen groß wurden, hatten sowas noch nie gesehen. Bornhöft und ich stellten uns der Herausforderung, in unserer Reportage, die verschiedenen Dissonanzen und Brüche, die einander widerstrebenden Mentalitäten der Dorfbewohner und der deren Zahl weit übertreffenden Reisenden zu balancieren. In jener Zeit arbeitete ich gerne mit Fotografen zusammen, verstand diese Kooperation immer als entscheidend für das Produkt: eine gute Reportage. Bornhöft entwickelte so rasch wie noch nie seine Fotos und ich schrieb wie der Teufel, auf dass die Agentur unser mit Herzblut hergestelltes Stück schon am nächsten Tage den Redaktionen anbieten könne. Doch dort waren die Verkäufer allesamt zu einer Messe ausgeflogen. Niemand kümmerte sich um den Verkauf unserer Reportage. Endstation: Papierkorb.
Die erste veröffentlichte große Reportage produzierte ich wieder gemeinsam mit dem Fotografen Kai Bornhöft. Veröffentlicht 2003 in brandeins („Der trotzige Biber”, leider hinter Bezahlschranke). Eine Geschichte über eine ehemalige Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft (LPG) in der Gegend um Naumburg/Saale, die sich nach der politischen und gesellschaftlichen Wende zu einer erfolgreichen Molkerei gewandelt hatte, die sogar Mozzarella nach Italien lieferte. Wer hier an „Eulen nach Athen tragen” denkt, liegt sehr wahrscheinlich nicht falsch.
Dass im selben Heft von brandeins neben meiner Debüt-Reportage eine zweite mehrseitige Reportage über den Flughafen Hahn veröffentlicht wurde, kam für Debütanten im Blatt nicht oft vor. Ich schien einiges richtig gemacht zu haben.
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Die Recherche-Herausforderung: Ob regionale Tageszeitung oder landesweit wahrgenommenes Magazin: Die Herausforderung besteht zunächst immer darin, aufmerksam bis hin zu einer professionellen Hypersensibilität zu sein, genau zuzuhören, nachfragen, wenn man etwas nicht auf Anhieb versteht, im Gespräch mit den Protagonisten durchaus die eigenen Hypothesen zur Disposition stellen, Bestätigungen aufnehmen und zurückgewiesene Vermutungen auch bereitwillig zu beerdigen. Man hört immer wieder mal von großartigen Reportern, die völlig ohne Arbeiten: jedoch ein Stift und ein Blatt Papier sind nicht falsch bei der Recherche für eine Reportage.
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Die narrative Lösung: Es geht nicht ohne ein (freilich gezügeltes) Mindestmaß an Poesie in der Reportage. Neben der fein säuberlich sezierten Story ist die Atmosphäre, in der diese Geschichte passiert, das wichtigste Element. Beobachtung auch von winzigen Details ist unvermeidbar. Dünkel als Schreiber ist schädlich. Nicht wenige „Edelfedern” tanzen sich in ihren Texten oft selbst ins Bild von der Geschichte. Das führt zu nichts. Redlichkeit ist der gangbarere Weg. Den Protagonisten den Vortritt lassen. Sie ausgiebig zu Wort kommen lassen.
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Die handwerkliche Umsetzung: Ich kenne kaum einen Reporter mich selbst freilich einbegriffen, der den Akt des Schreibens nicht als ein Ringen mit sich selbst erlebt. Zwar gehöre ich nicht zu denen, die oft wochenlang an ihrer Geschichte feilen und dengeln, Silbe für Silbe, ja, Leerstelle für Leerstelle immer wieder drehen und wenden. Jedoch ist die Hervorbringung einer fesselnden Reportage immer wieder eine interessante Selbsterfahrung. Schon oft fragte ich mich etwa, wie sehr der Zufall des Moments das Gesicht eines solchen Textes beeinflusst. Fällt ein Text völlig anders aus, wenn man ihn eine Minute, drei Stunden, Tage früher oder später beginnt? Eine Antwort darauf lässt sich nicht geben. Experimentelle Überprüfung: leider nicht möglich.
Die historische Rekonstruktion
Zeitlebens halte ich mich gerne in Bibliotheken und Archiven auf. Bücher, Dokumente, beinahe unleserliche Handschriften und überhaupt alte Papiere ängstigen mich nicht. Im Gegenteil! Die Beschäftigungen mit dem Alten, sich Geschichte und ihre Geschichten allmählich zu erschließen, öffnen in meinen Augen immer wieder die Welt auf’s Neue. Ausgestattet mit einer soliden Allgemeinbildung, Neugier und dem Rüstzeug des Autors war der Weg von der Reportage zur historischen Rekonstruktion für mich eigentlich sogar folgerichtig. Und da ich Geschichte und Geschichtliches nicht für stumpfes Auswendiglernen von Jahreszahlen oder gar kleinkrämerische Erbsenzählerei, sondern als etwas lebendiges bis ins heute wirkendes Geschehen halte, war es mir immer wichtig, den Staub in den Archivregalen zu lassen und die kraftstrotzende Erzählung der Bücher und Dokumente für die Leser aufzubereiten. Ohne dass ich das genauer hätte beschreiben können, befolgte ich intuitiv, was der Historiker und viel gelesene Autor Joachim Fest mit dem Begriff der literarischen Geschichtsschreibung verband: „Phantasie und Einfühlungsvermögen” waren demnach für Fest unerlässlich für eine Übersetzung des Gewesenen in die Sprache der Gegenwärtigen (und Zukünftigen). Dass diese Eigenschaften freilich nur unter kritischer Selbstkontrolle, gezügelt gewissermaßen, angewendet werden dürfen, versteht sich von selbst.
Eine der ersten historischen Rekonstruktionen beauftragte die brandeins-Tochter, brandeins Wissen, bei mir. Die produzierte damals gemeinsam mit McKinsey ein Magazin, das die von der Beratungsgesellschaft am Markt beobachteten oder auch selbst gesetzten wichtigen Themen in der Wirtschaft, in der Bildung, der Infrastruktur, der Politik an Beispielen illustrierte und den Lesern aufbereitet vorstellte. Ich sollte eine Geschichte der Spekulationsblasen recherchieren und schreiben.
Derart von der auf das Verständnis der Gegenwart ausgerichtete Geschichtsschreibung fasziniert folgte seinerzeit ein beinahe noch lehrreicheres Stück über Strategie in Zeiten der Unsicherheit. Dafür rekonstruierte ich eine Reihe von Begebenheiten aus dem späten 12. und frühen 13. Jahrhundert. Die Geschichte, wie ein beinahe 100 Jahre alter, fast völlig blinder Doge von Venedig, die Anfrage von Kreuzfahrern ihre geplante Unternehmung gegen Konstantinopel zu unterstützen, so wendete, dass schließlich er selbst das Kommando übernahm, den größten Teil der Kriegsbeute nahm und Venedig zu einer führenden Seemacht nicht nur im Mittelmeer, sondern auch auf dem Schwarzen Meer machte: „Kreuzfahrt auf Venezianisch”.
Zahlreiche solcher Rekonstruktionen sollten folgen. Etwa eine Kulturgeschichte der Kartographie, eine Kulturgeschichte des Geldes, eine Geschichte des Lichts und so weiter.
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Die Recherche-Herausforderung: Da sind immer die Quellen zuerst. Oft originale Archivalien, für journalistische Texte nicht selten aber auch Sekundärliteratur (die immer eine besondere Anforderung mit sich bringen: nämlich gegen andere Quellen gehalten, verglichen, abgewägt werden zu müssen. Plausibilität und Stringenz prüfen, entscheiden, was im geplanten Text vorkommen muss und was man getrost zur Seite legen darf.) Mir helfen Mind Maps, ausgebreitet oft meterhoch und meterlang! So navigiere ich durch die horizontal und vertikal aufgereihten Fakten, Schnipsel, Primär- und Sekundärquellen. Und allmählich entsteht durch die Mischung aus sachlicher Prüfung, situativer Phantasie und Einfühlungsvermögen das Bild, das ich ausarbeiten kann, um den Lesern eine ihnen unbekannte Welt zu erschließen.
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Die narrative Lösung: Es sind diese Bilder, die die Geschichten aus der Geschichte plausibel illustrieren und so den Lesern näher bringen. Das Verweben der Zeitachse mit Ereignissen und ihrer anekdotischen Evidenz, eine ironische Brechung, die in der Erinnerung der Leser verfängt. So beginnt die historische Rekonstruktion aus Dokumenten und eingestaubten Buchseiten zu atmen, öffnet die Augen und sieht den Leser an.
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Die handwerkliche Umsetzung: Gewiss, eine historische Rekonstruktion bringt eine weitere, neue, ganz eigene Schwierigkeit mit sich. Zwar sind die Mittel der Reportage (und des Porträts) auch hier sehr nützlich. Doch sind die Protagonisten der darzustellenden Geschichte eben meistens schon lange tot. Es ist und bleibt eine Gratwanderung zwischen Dokumentation und Authentizität. Der Literat hat’s leicht. Er darf sich die Geschichte ausdenken und jeden Gedanken als Literatur aufschreiben. Die historische Rekonstruktion – auch in der Variante der literarischen Geschichtsschreibung – muss die feine, fast unsichtbare Bruchkante zwischen Tatsache und Phantasie immer markieren … wie eine gefährliche Stufe oder ein Gefahrengebiet: mit zwar unsichtbarem, aber deutlich erkennbarem Flatterband.
Die Redaktion
Als Autor bleibt man immer Autor. In der Rolle des Redakteurs sollte man diese Selbstwahrnehmung zumindest zeitweise ablegen können. Autorenschaft hat viel (wie das Wort schon sagt) mit dem eigenen Selbst zu tun. Mit der Wahrnehmung, dass man selbst etwas aus sich selbst erschafft zum Beispiel. Auch wenn das überhöht klingen mag. Ohne dieses Grundverständnis scheint mir Autorschaft kaum realisierbar. In der Rolle des Redakteurs dirigiert man die Gesamtheit von Themen, von Autoren, von Geschichten, Formen, Stilen. Der eigene Stil tritt dabei im Idealfall hinter das Produkt zurück.
Als ich 2006 gefragt wurde bei einem der konversionsstärksten Kundenmagazine redaktionell Mitverantwortung zu übernehmen, erkannte ich darin einen wichtigen Entwicklungsschritt. Das Magazin der Autostadt „StadtAnsichten” war um 2000 mit viel Potenzial an den Start gegangen. Ähnlichkeiten mit rein redaktionellen Produkten der High-End-Publikationen waren sicher beabsichtigt und wurden hin und wieder auch erreicht. Einem strengen Blick hielt dieser Eindruck nicht immer stand. Das Berliner Autorenkollektiv, das die Erfindungs- und Startphase betreute, verlief sich thematisch oft im Wald, verlor den Faden. Im Ergebnis war das Blatt nicht selten mit seiner inhaltlichen Mischung kaum von einer Quatschbude zu unterscheiden. Eine Reihe von leitenden Redakteuren hatte sich inzwischen am Blattmachen versucht. Mit gemischtem Erfolg.
Bis eine erfahrene ehemalige Redakteurin des FAZ-Magazins die Zügel in die Hand bekam, um das Blatt inhaltlich und vor allem in der Auswahl der Darreichungsformen der beabsichtigten Inhalte gegen den Strich zu bürsten, auszumisten und auf einen erkennbaren Kurs auszurichten. Gemeinsam gelang uns das. Dieser Weg war gewiss nicht leicht. Mit einem Pool von Spitzenautoren bauten wir thematisch fokussierte Heft-Titel, reizten die journalistischen Genres aus, von der Gesellschaftskolumne bis zum Gastbeitrag hochrangiger Wissenschaftler, Manager, Künstler, zwei komplette gestalterische Relaunches mit jeweils neuen Designagenturen. Als Autor musste ich Teamplayer werden. Die Interessen der Auftraggeber, die Ausrichtung des Blattes, die schätzenswerten aber höchst heterogenen Eigenschaften und Schrullen der Autoren: all das wollte ausgeglichen werden. Dass unser Projekt erfolgreich war, zeigte sich spätestens einmal im Vierteljahr, dann nämlich, wenn 250.000 Exemplare für einen nicht gerade Schleuderpreis in den Buchhandlungen und Bahnhofskiosken des Landes verkauft werden sollten. Und verkauft wurden. Es ist mir nicht bekannt, ob die Mitbewerber ihre Magazine auch verkauften oder an die Kundschaft verschenkten. Wir jedenfalls freuten uns dann besonders, wenn die gedruckten Exemplare im Handel ausverkauft waren und nachgedruckt werden musste.
Folgerichtig ergaben sich aus der Wahrnehmung unserer Arbeit weitere Formatentwicklungen für Magazine, Redaktionen von Geschäftsberichten usw.
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Die Recherche-Herausforderung: Recherche beim Blattmachen bedeutet ja zunächst, den Auftraggebern den Puls zu fühlen, Themen zu identifizieren, von denen diese oft gar nicht wissen, dass sie relevant werden würden. Oder aber von den Auftraggebern angesagte Bedürfnisse nach Themen und Inhalten in Formen zu gießen, sie fassbar zu machen, zuzuspitzen … Mehr noch: ein gefundener Hefttitel macht noch kein Inhaltsverzeichnis. Da entsteht eine riesige Fülle an Geschichten, die alle durch mehrere Filter passen müssen: Passt’s in’s Heft? Passt’s dem Auftraggeber in sein strategisches Konzept? Der Mutterkonzern will nicht erwähnt werden aber sein Thema auch über unser Magazin spielen: Passt die Form? Wer wird’s schreiben? Wie erklär‘ ich’s den Autoren?
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Die narrative Lösung: Im Gegensatz zum einzelnen Text entsteht die Botschaft eines Magazins durch den Gesamtklang aller Texte. Erst dadurch entscheidet sich: ist das Harmonie oder Katzenmusik? Zumal wir es bei der Liga unserer Autoren mit einem Ensemble aus lauter Solisten zu tun hatten. Die zu einem Chor zu formen, ohne dass einer – um sich abzusetzen – einfach eine Oktave höher als alle anderen singt: das ist eine echte Herausforderung, die dieser (temporäre) Seitenwechsel zwischen Autor und Redaktion mit sich brachte.
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Die handwerkliche Umsetzung: Das redaktionelle Handwerk ist vor allem Menschenführung. Die gelingt bei einem Magazin jedoch nur, wenn man das Produkt nicht aus dem Blick verliert.
